Ukraine-Krieg
Die Russen bezahlen einen hohen Preis
In russischen Supermärkten werden abends die Preisschilder getauscht. Brot, Fleisch, Joghurt kurz vor Ablauf werden billiger. Viele kommen erst nach 21 Uhr, weil sie auf Rabatte angewiesen sind. Seit dem Angriff auf die Ukraine sind die Preise massiv gestiegen. Ein Kilo Rinderhack kostet laut dem Projekt „Zeny sewodnja“ rund 84 Prozent mehr als vor dem Krieg, Milchprodukte teils bis zu 92 Prozent mehr. Selbst Freizeitangebote sind deutlich teurer geworden, vom Schlittschuhlaufen (plus 37,5 Prozent) bis zum Bolschoi-Ballett (plus 233 Prozent). Das Preiswachstum übersteigt die Einkommenszuwächse deutlich, viele berichten, dass sie immer weniger kaufen können.
Zugleich schwächt sich die Wirtschaft ab. Nach kriegsgetriebenen Wachstumsraten von über vier Prozent erwartet die Regierung nur noch gut ein Prozent, der Internationale Währungsfonds (IWF) sogar weniger. Hohe Militärausgaben, Fachkräftemangel und sinkende Öleinnahmen belasten den Haushalt, das Defizit geht in die Dutzenden Milliarden Dollar. Sanktionen erschweren den Export, Preisnachlässe für Abnehmer wie Indien drücken zusätzlich. In mehreren Regionen werden Projekte gestoppt, Verwaltungen sind chronisch unterfinanziert. Während der Staat weiter auf Rüstung setzt, sparen viele Haushalte bei Lebensmitteln, Urlaub oder Haustierfutter – und hoffen, dass der wirtschaftliche Druck irgendwann politische Folgen hat.