Kritik wegen sexistischen Videos

Manuel Hagel: Bissle mehr als nur Mist

Quelle: Zeit
Manuel Hagel: Bissle mehr als nur Mist
Bildquelle: Marcel Ditrich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg Manuel Hagel (CDU) steht derzeit in der Kritik für Äußerungen, die er in einem Interview 2018 über eine wahrscheinlich minderjährige Schülerin gemacht hatte. B90/Grüne-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer hatte ein Video mit Hagels Interview veröffentlicht, in dem er von einem Besuch in einer Realschul-Klasse berichtet, die Gruppe bestand offenbar zum großen Teil aus Mädchen. Über den Termin sagte er in dem Interview lachend: „Da gibt's für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen.“ Über eine Schülerin, die er nicht habe vergessen können, sagte Hagel „sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“ Die Veröffentlichung des Videos lediglich als Manöver im Wahlkampf zu sehen und dementsprechend als Schmutzkampagne der politischen Gegner einzuordnen, würde jedoch den Kern der Problematik verfehlen.

Die Geschichte bringt zum Ausdruck, wie tief der Gedanke, minderjährige Mädchen als potenzielle Flirtpartnerinnen sexualisieren zu können, bei vielen erwachsenen Männern noch immer unbewusst verankert ist. Gerade vor dem Hintergrund, dass die angebliche Sorge um den Schutz von Mädchen und Frauen, die Belästigung ausgesetzt sind, immer wieder ein Thema konservativer Rhetorik ist, offenbart der Fall die Scheinheiligkeit vieler politischer Debatten um gerade dieses Thema.

Einen Tag nachdem Zoe Mayer auf das Video aufmerksam gemacht hat, hatte Hagel seinen Einstiegskommentar als „Mist“ bezeichnet, explizit entschuldigt hatte er sich jedoch nicht. Beobachter:innen ordnen den Fall nicht als einen längst verjährten Versprecher ein, oder als ein bloßes Kampagnenärgernis im Wahlkampf, wie Hagels politischer Konkurrent um das Landtagsamt Cem Özdemir (B90/Grüne) zu beschwichtigen versuchte. Er zeige vielmehr ein völlig falsches Koordinatensystem im Umgang mit Mädchen und Frauen. Diese Problematik sollte ein Thema sein, das unabhängig von Wahlkampagnen und politischen Diskursen ernsthaft besprochen wird.