"Die Erwartungen an Deutschland sind groß"
MSC-Leiter Ischinger appelliert an europäische Geschlossenheit
Zum Auftakt der 62. Münchner Sicherheitskonferenz hat deren Vorsitzender Wolfgang Ischinger vor einer historischen Häufung blutiger Krisen gewarnt. Eine vergleichbare Ballung habe es in den vergangenen 20 Jahren nicht gegeben. Europa müsse in dieser Lage mehr Verantwortung übernehmen, Deutschland komme dabei eine Führungsrolle zu. Im Zentrum der Beratungen steht die Ukraine. Angesichts stockender US-Unterstützung forderte Ischinger, Europa müsse die entstandene Lücke bei Waffen und Munition schließen. Eine Friedenslösung sei nur möglich, wenn sich die Ukraine wirksam verteidigen könne.
Zugleich mahnte Ischinger mehr Geschlossenheit in der EU an. Wenn 27 Staaten jeweils eigene Außenpolitik betrieben, sei Europa anfällig für Einfluss von außen. Eine deutsche Atombombe lehnte er klar ab, zeigte sich aber offen für eine stärkere europäische Einbindung in bestehende nukleare Abschreckungsstrukturen. Zur Konferenz werden mehr als 1.000 Teilnehmende erwartet, darunter über 60 Staats- und Regierungschefs. Auch die erneute Teilnahme von AfD-Abgeordneten sorgt für Debatten.