Rassistische Proteste und Gewalt in Belfast, Glasgow, Schottland

„They are looking for a race war”

von Mara

„They are looking for a race war”
Bildquelle: Montage: Redaktion

Am Montag, den 08. Juni 2026, erschütterte ein brutaler Messerangriff in Belfast Großbritannien. Daraufhin verwüstete ein rechtsextremer Mob in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch ganze Straßenzüge der nordirischen Stadt und bedrohte dabei vor allem nicht-weiße Menschen. Belfast hat eine lange Geschichte, wenn es um Straßenschlachten zwischen gewaltbereiten Extremisten und der Polizei geht.

Am selben Abend kam es allerdings auch in schottischen Städten zu Ausschreitungen und rassistischen Protesten. Besonders betroffen war Glasgow, die größte Stadt in Schottland, wo Konflikte zwischen der Polizei und randalierenden Gruppen schwarzgekleideter Vermummter ebenfalls keine Seltenheit sind.

Unmittelbar am Tag nach dem Angriff in Belfast hatte der schottische Rechtsextremist und Mitglied der ultrarechten Partei Restore Britain Craig Houston auf Social Media dazu aufgerufen, sich im Stadtzentrum von Glasgow zu versammeln. ℹ︎ Viele Menschen kamen dem Aufruf nach. Schließlich marschierten mehrere hundert maskierte Demonstranten durch die Innenstadt, von denen viele mit lokalen Loyalisten, sowie rechtsextremen Gruppen in Verbindung stehen sollen. ℹ︎ Bei dem Protest gab es auch Banner mit dem Slogan „White Lives Matter“. ℹ︎ Ein Journalist von BBC Scotland berichtet von etwa 300 Teilnehmern. ℹ︎ Viele Straßen und Brücken in der Stadt wurden gesperrt, hunderte Bereitschaftspolizisten in schwerer Schutzausrüstung waren im Einsatz. Der stellvertretende Polizeipräsident von Glasgow Alan Waddell sagte, der Mob habe Menschen „aufgrund ihrer Hautfarbe“ angegriffen. ℹ︎ Die Konfrontation mit der Polizei wurde von den Teilnehmern der Proteste offenbar teilweise gezielt gesucht, nicht-weiße Menschen wurden lautstark bedroht. Die Situation eskalierte, als der Mob sich in Richtung der größten Moschee in Glasgow bewegte. Aus Angst um ihre Sicherheit schlossen sich die Menschen, die zu der Zeit in der Moschee waren, von innen ein. ℹ︎ Der brutale Angriff in Belfast wird als recht offensichtlicher Vorwand eingeordnet, um auch hier rassistische Agitation zu betreiben. ℹ︎ Es ist ein Versuch, die Dynamik eines rassistischen Progroms, wie es in Belfast stattgefunden hat, nach Schottland zu importieren.

Ein führender Berater des „Counter Extremism Project“ Alexander Ritzmann wies im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in Glasgow auch auf die ursprünglich in den USA gegründete rechtsextremistische Bewegung „Active Club“ hin, von dem es weltweit Ableger gibt. Auch in Schottland. Während sich die Bewegung nach außen hin als harmlose Gruppe mit Fokus auf körperliche Ertüchtigung wie Kampfsport und Wanderungen präsentiert, zitieren die Mitglieder intern häufig die Hitlerjugend, die SA, die SS, sowie die italienischen Schwarzhemd-Faschisten als Vorbilder. Weil die meisten der rechten Demonstranten vermummt waren, seien eindeutige Nachweise über Teilnehmer nur schwer belegbar. Jedoch seien Belfast und Glasgow perfekte Gelegenheiten für Mitglieder der Bewegung gewesen, um Fähigkeiten im Straßenkampf zu entwickeln, ohne die Aufmerksamkeit der Polizei auf das „Active Club“ Netzwerk zu ziehen, so Ritzmanns Einschätzung. Mit Blick auf die randalierenden Teilnehmer sagte Ritzmann: „Sie brauchen Tommy Robinson nicht. Sie brauchen Nigel Farage nicht. […] Sie wollen den Rassenkrieg. Sie wollen Menschen, die sie zu Feinden erklären, gewaltsam angreifen oder vertreiben.“ ℹ︎

Auch in der schottischen Hauptstadt Edinburgh kam es an jenem Dienstagabend zu Protesten aus dem rechten und nationalistischen Lager, die Ausmaße waren jedoch deutlich kleiner. Berichten der BBC zufolge versammelten sich einige Dutzend Demonstranten und marschierten mit Fackeln und Flaggen durch die Innenstadt. ℹ︎ Auf einigen Videoaufnahmen des „Marsches“ sind schätzungsweise nicht mehr als 50 Menschen zu sehen, die auf verregneten leeren Straßen ein eher jämmerliches Bild abgeben. ℹ︎ ℹ︎ Der schottische Regierungschef John Swinney verdammte die Aufmärsche als „inakzeptabel.“ Als Reaktion auf die Ausschreitungen gab es große antirassistische Gegenproteste, mit mehreren tausenden Teilnehmern allein bei einer Gegendemonstration in Glasgow. ℹ︎

Weitere rassistische Proteste mit rund 100 Teilnehmern gab es auch in der schottischen Stadt Ayr, aber auch in vielen weiteren Städten im Land fanden ähnliche Demonstrationen statt, darunter Elgin, Dumfries, Paisley, Perth, Stirling, Inverness, Dundee und Aberdeen. ℹ︎ Der rassistische Mob in Glasgow war zwar extrem, kam aber auch nicht aus dem Blauen heraus. Rassismus und insbesondere Hass gegen Muslime fasst schon lange immer mehr Fuß, in Schottland genauso wie in England, Nordirland und fast überall sonst auf der Welt. 2013 und 2014 wurden zwei Männer und eine Frau zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie die Zentrale Moschee Edinburgh mit Schweinespeck beworfen und die Türklinken damit behängt hatten. Die verurteilte Frau war Mitglied in der rechtsextremen und islamfeindlichen Scottish Defence League. ℹ︎

In Southampton, wo die rassistischen Proteste nach der Verurteilung des Mörders von Henry Nowak am 2. Juni begonnen hatten, wie auch in Belfast und Glasgow sammelten sich Gruppen von überwiegend männlichen, weißen, frustrierten und leicht indoktrinierbaren jungen Menschen, die sich von Meinungsführern der Rechten hervorragend instrumentalisieren und mobilisieren lassen. In Southampton hatte unter anderem der Vorsitzende der rechten Reform UK Partei Nigel Farage zu „pure, cold rage“ aufgerufen. ℹ︎ In Glasgow war es Craig Houston von Restore Britain, der die Marschtrompete blies.

Die Gewalt des Mobs ist beängstigend. Die Randale ist laut. Der wahre, tiefere und gefährlichere Rechtsruck in der britischen Gesellschaft, der schon lange vor den Ausschreitungen in Belfast und Glasgow stattgefunden hat, ist leiser, aber nicht weniger beängstigend.