KI-Datenzentren

Der letzte Nagel im Sarg

von Mara

Der letzte Nagel im Sarg
Bildquelle: meinungsmache.de

Zehntausende Hitzetote in Mitteleuropa noch bevor der Sommer richtig angefangen hat. Waldbrände in einem nie dagewesenen Ausmaß. Sogar die schottischen Highlands brennen wochenlang. Die größte Evakuierung in Frankreich seit Ende des Zweiten Weltkrieges, als rund eine Viertelmillion Menschen vor dem Flammenmeer fliehen müssen. Vögel fallen in der Hitze tot vom Himmel, die zurückgebliebenen Küken verhungern, wenn sie nicht vorher in überhitzten Nestern buchstäblich zu Tode gekocht werden. Flüsse versiegen, Kraftwerke müssen gedrosselt oder abgeschaltet werden. Wasser für die Landwirtschaft gibt es schon lange nicht mehr ausreichend. Und wenn wir so weitermachen, dann auch bald nicht mehr für uns.

Und was tun wir inmitten dieser Apokalypse? Wir planieren ganze Landschaften und bauen riesige Rechenzentren, um den unersättlichen Hunger der Künstlichen Intelligenz zu füttern. Rechenzentren, deren Ressourcenverbrauch alles übersteigt, was man jemals auch nur ansatzweise an anderer Stelle einsparen könnte. Oder müsste. Oder überhaupt zur Verfügung hätte. Denn dieses Jahr war der sogenannte Earth Overshoot Day bereits am 30. Juli. Also der Tag, an dem wir sämtliche Ressourcen der Erde, die in einem Jahr regenerierbar wären, aufgebraucht haben. Den Rest des Jahres leben wir also auf Pump. Wir merken es nur nicht, weil uns die Erde (noch) keine Kontoüberziehungsgebühren in Rechnung stellt.

Oder merken wir es eben doch, angesichts einer zunehmend feindlichen, erschöpften und erschöpfenden Umwelt? Immer mehr Technologie soll uns das Leben angeblich einfacher und angenehmer machen. Aber das Leben auf einem überhitzten, ausgelaugten Planeten fühlt sich zunehmend anstrengend an. Doch anstatt etwas zu unternehmen, dass Natur und Tiere (und letztlich zählt ja auch der Homo Sapiens zu den Animalia) nicht weiter leiden und sterben, setzen wir stattdessen nur auf noch mehr Technologie. Schneller, neuer, vermeintlich effizienter. KI-Datenzentren, die Unmengen Wasser verschlingen und nicht absehbare Umweltverschmutzungen verursachen, damit irgendeine Gabi ChatGPT fragen kann, wie sie wohl mit einer neuen Brille aussehen würde, während Günther sich von Gemini vorrechnen lässt, wie er sein Bundesliga-Tippspiel dieses Wochenende auf jeden Fall gewinnen kann.

Noch mehr Daten, noch mehr Ressourcen- und Energieverbrauch, noch mehr Belastungen für unsere ohnehin schon gebeutelte Erde. Aber wofür eigentlich? Cui bono? Kein einziges hungriges Kind weniger, kein einziger gepflanzter Baum mehr, ganz im Gegenteil. Wer profitiert von dem Boom der Rechenzentren? Eins steht fest: Wir werden es am Ende nicht sein. Schnellere Sprachmodelle und „klügere“ Künstliche Intelligenzen sind rasch nichts mehr wert, wenn eine tödliche Hitze durchs Land zieht, wenn Bauern nichts mehr ernten können, und das Wasser langsam versiegt. Wer von den Datenzentren profitiert, die Wassermangel und Dürre nachweislich verschlimmern: ein paar wenige Menschen an der Spitze großer Konzerne, die ohnehin schon Multi-Milliardäre sind, und Börsenspekulanten, für die nichts einen Wert hat, wenn man nicht darauf wetten kann.

Die Gier wird immer größer. Leben und Lebensräume zählen immer weniger. Wir haben schon lange wahre Lebensqualität für vermeintlichen Fortschritt geopfert. Auch unser aller Gier im Alltag, die immer mehr Ressourcen verschlingt, fällt uns nun auf die Füße: unsere Gier nach schnelleren Computern, neueren Handys, größeren Autos, billigeren Fernsehern, und nun eben auch unsere Gier nach immer mehr Daten aus der giftigen Cloud der Künstlichen Intelligenz. Die Datenzentren sind der letzte Nagel im Sarg, in dem jegliche verbleibende Hoffnung in der Klimakatastrophe zu Grabe getragen werden wird.