FIFA Fußballweltmeisterschaft 2026

Die „WM der Angst“?!

von Jazz

Die „WM der Angst“?!
Bildquelle: Montage: Redaktion; verwendete Bilder: The White House

104 Spiele, 48 Nationen, 16 Städte, drei Austragungsländer und ein gigantisches Versprechen: Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada soll das größte Sportfest der Geschichte werden. Doch je näher das Turnier rückt, desto lauter und eindringlicher werden die Warnungen von Menschenrechtler:innen, denn hinter der glänzenden Fassade der FIFA droht eine der politisch brisantesten Endrunden des Fußballs. Der sportliche Hochglanz ist schon lange vor dem Anpfiff im grellen Licht geopolitischer und gesellschaftlicher Krisen verblasst. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat sich von diplomatischen Floskeln verabschiedet und warnt unmissverständlich vor einer „akuten Menschenrechtskrise“ in den Gastgeberländern. ℹ︎Das Turnier, das als Symbol der Völkerverständigung inszeniert wird, steht auf einem moralisch höchst brüchigen Fundament.

Ein Großteil der Kritik konzentriert sich auf die USA, wo auch die meisten Spiele ausgetragen werden. In der zweiten Amtszeit von Donald Trump hat sich das politische und gesellschaftliche Klima im Land spürbar verschärft. Internationale Beobachter:innen verfolgen die dortigen Entwicklungen mit Sorge, und konstatieren, dass die aktuelle Politik der US-Regierung eine potenzielle Gefahr für die Sicherheit und die elementaren Freiheiten der Spieler, Fans und lokalen Gemeinschaften sei. ℹ︎ Expert:innen befürchten eine massive Ausweitung der staatlichen Überwachung im Umfeld der Stadien sowie diskriminierende Sondermaßnahmen, die vor allem Minderheiten treffen könnten. Konkret warnen Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch vor einer Mobilisierung der US-Einwanderungsbehörde ICE, die wegen oft gewaltsamen Methoden und brutalem Vorgehen bekannt und gefürchtet ist. ℹ︎ Es wird befürchtet, dass die Behörde ihre Präsenz bei den Veranstaltungen für willkürliche Kontrollen, groß angelegte Razzien und Abschiebungen nutzen könnte. ℹ︎

Wie real diese Befürchtungen sind, zeigen bereits jetzt erste konkrete Präzedenzfälle: So darf etwa die iranische Nationalmannschaft ausschließlich für die Dauer der Spiele einreisen, während der somalische Schiedsrichter Omar Artan, einer der besten Schiedsrichter Afrikas, sogar direkt wieder abgeschoben wurde.ℹ︎

Gleichzeitig gerät das Grundrecht auf freien Protest massiv unter Druck. Politische Aktivist:innen und zivilgesellschaftliche Gruppen in den USA werden damit in ihren Handlungs- und Protestmöglichkeiten stark eingeschränkt. Diese Repression steht in diametralem Widerspruch zu jenen Werten von Offenheit, Vielfalt und Inklusion, mit denen sich die FIFA in ihren Hochglanzbroschüren so gerne schmückt.

Auch der Mitgastgeber Mexiko blickt dem Turnier mit tiefer Verunsicherung entgegen. Einer prekäre Sicherheitslage, ausufernde Kartellgewalt, und eine Regierung, die den Problemen im Land mit einer fortschreitenden Militarisierung des öffentlichen Raums begegnet. Ob die massive Präsenz von Militär und schwer bewaffneten Sicherheitskräften tatsächlich den Schutz der Fans garantiert oder vielmehr das Gefühl der Unfreiheit verstärkt, ist die große Krux des Turniers. Besonders dramatisch ist die Situation für ohnehin vulnerable Gruppen. Mexiko gilt seit Jahren als eines der gefährlichsten Länder weltweit für Journalist:innen. ℹ︎ Kritiker:innen befürchten, dass das Großereignis bestehende Repressionen im Land nicht mildert, sondern wie ein Brennglas verstärkt.

Während in Nordamerika die Konflikte schwelen, wächst auch in Deutschland der Druck auf die Sportfunktionäre. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht sich mit massiver Kritik aus der Zivilgesellschaft sowie Vorwürfen konfrontiert, aus den Debatten der vergangenen Turniere nichts gelernt zu haben. ℹ︎ Wir erinnern uns: Russland 2018. Katar 2022. Bald Saudi-Arabien. Der Spitzenfußball hat sich längst an die Autokraten dieser Welt verkauft. Statt sich klar und unmissverständlich zu den besorgniserregenden politischen Entwicklungen in den USA und Mexiko zu positionieren, flüchtet sich der DFB auch diesmal in diplomatisches Schweigen. Potenzielle Menschenrechtsverletzungen werden stillschweigend geduldet, um die lukrativen Beziehungen zu den mächtigen Gastgeberländern und der FIFA nicht zu gefährden.

Hinter den sportlichen Superlativen des durchgetakteten Milliarden-Spektakels der WM verbirgt sich eine tiefe moralische Krise. Die fundamentalen Fragen nach Ethik, Sicherheit, echter Fairness und der Würde des Menschen sind präsenter und ungelöster denn je. Eines ist aber bereits vor dem Anpfiff klar: Dieses Turnier wird vor allem auf der politischen Weltbühne als eine der umstrittensten Weltmeisterschaften in die Geschichte eingehen.