Abgeordnetenwahl in Berlin

Jessica Gerke: Mehr Mitbestimmung für junge Menschen

von Mica

Jessica Gerke: Mehr Mitbestimmung für junge Menschen
Bildquelle: Montage: Redaktion; verwendete Bilder: Felix S. Schulz via jessicagerke.de

Am 10. Juni 2026 hatte die Partei Die Linke in Berlin-Reinickendorf zu einer Veranstaltung eingeladen, bei der es neben politischem Austausch in erster Linie um Spaß und lokales Zusammentreffen gehen sollte. Vor Ort waren Jessica Gerke aus dem Bezirksverband Reinickendorf und Kandidatin für die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026, sowie Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek.

Meinungsmache sprach mit Jessica Gerke unter anderem über Politik für junge Menschen, Mitsprache und mentale Gesundheit. Sie setzt sich für eine Verbesserung der Situation von jungen Menschen ein, weil diese Altersgruppe ihrer Meinung nach im politischen Diskurs oft vergessen wird. Auch Miete und BAföG sind für sie wichtige Themen.

Gerke wünscht sich, dass „es in jedem Bezirk einen Jugendclub gibt.“ Sie will Orte schaffen, an denen „junge Menschen sich aufhalten können, wo sie kostenlos sein können und wo sie auch einen Gestaltungsraum haben.“ Auch Veranstaltungen wie die in Reinickendorf zählen für sie dazu. Generell ist sie davon überzeugt, dass junge Menschen mehr Gelegenheit zur Mitsprache und Mitgestaltung haben sollten. Ein „Rederecht in den Bezirksverordnetenversammlungen“ könnte jungen Menschen beispielsweise einen höheren Grad an Mitbestimmung geben und gleichzeitig den Dialog zwischen Generationen fördern.

Sorgen macht sich die Kandidatin für das Abgeordnetenhaus unter anderem über die mentale Gesundheit von Jugendlichen. Sie kritisiert, dass mit dem Mental Health Coaches Programm ein erwiesenermaßen erfolgreiches Instrument an Schulen, dass für viele Jugendliche eine wichtige Unterstützung sein kann, auf Bundeseben nicht weiter finanziert werden soll. Gerke hält diese Entscheidung für nicht tragbar und betont, dass solche Maßnahmen zur mentalen Gesundheit junger Menschen zukünftig gestärkt werden sollten.

Das Modellprogramm für Mental Health Coaches gibt es seit Herbst 2023 und soll die psychische Gesundheit von Schüler:innen fördern. Eine Evaluation der Universität Leipzig bestätigte den Erfolg des Konzeptes und rund 90 Prozent der Beteiligten wünschen sich eine Fortsetzung des Programms, das auch die Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen fördert. Laut Angaben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend soll das Modellprogramm jedoch wegen eines „zu geringen Nutzens“ und „fehlender nachhaltiger Mittelverwendung“ beendet werden. ℹ︎

Auch die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin am 20. September 2026 war ein Thema im Gespräch mit Gerke. Nach einer Umfrage von Infratest dimap wird eine Koalitionsbildung voraussichtlich knapp. CDU, SPD und Bündnis90/Die Grünen kommen aktuell auf 49 Prozent, eine Rot-Rot-Grüne Koalition auf 52 Prozent. Die AfD hat mit derzeit 18 Prozent die höchsten Umfragewerte in Berlin seit ihrer Gründung. ℹ︎ Für Gerke sind die Grünen und die SPD „die natürlichen Partner, die man bisher hier in Berlin ja auch immer hatte“. Bei der SPD sieht sie allerdings eine potenzielle Hürde bei dem Thema „Deutsche Wohnen enteignen“. Dieser Punkt sei nicht verhandelbar. Dennoch ist sie optimistisch, dass Die Linke mit einem guten Wahlergebnis in das Abgeordnetenhaus von Berlin einziehen wird und die einzelnen Parteien nach der Wahl konstruktiv zusammenarbeiten werden.