Frauenverachtend, rechtsextrem, gewaltverherrlichend
Mutmaßliches Manifest von Schongau-Täter weist in eine Online-Terrorszene
Nachdem ein 16-Jähriger zwei Schülerinnen an einem Gymnasium in Schongau schwer verletzt hatte, gibt es in einem mutmaßlichen Bekennerschreiben neue Hinweise auf den Hintergrund der Tat. Das 19-seitige „Manifest“ wird noch geprüft, soll aber nach Recherchen des Spiegels authentisch sein und vom Täter stammen. Dieser bezeichnet sich in dem Text als „faschistischer Akzelerationist“, äußert antisemitische und islamfeindliche Positionen, verherrlicht frühere Attentäter, beschreibt Pläne für Anschläge auf Moscheen und Gewaltfantasien gegen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Frauen werden in dem Text massiv herabgewürdigt. Sollte sich das Dokument als echt erweisen, würde es sich in die wachsende sogenannte Terrorgram- oder Attentäter-Fanszene einordnen.
Das Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum Baden-Württemberg untersuchte diese Szene kürzlich in einer Hellfeldstudie. Demnach handelt es sich zunehmend nicht um isolierte Einzeltäter, die sich unbemerkt radikalisieren. Mehr als jeder Fünfte der untersuchten Jugendlichen war jünger als 14 Jahre und alle erfassten Personen waren männlich. In der Hälfte der Fälle vollzog sich eine „Blitzradikalisierung“ innerhalb eines Jahres und wies eindeutige Warnsignale auf, die oft im schulischen Umfeld sichtbar werden. Schulen und Lehrkräften müsse daher mehr Handlungssicherheit und Kenntnis für Prävention gegeben werden.