Wohnungslosigkeit
Vollzeit, fest angestellt, unbefristet – und trotzdem wohnungslos
Die bundesdeutschen Sozialsysteme sind schon lange nicht mehr ausreichend, um die Versorgung aller Menschen zu gewährleisten. Vor allem der angespannte Wohnungsmarkt und das Fehlen von Sozialwohnungen drohen zunehmend, einen sozialen Unfrieden zu verursachen. Bundesweit ist die Zahl der Sozialwohnungen seit den 1980er-Jahren von knapp vier Millionen auf rund eine Million gesunken.
Um die Jahrtausendwende erreichte das Phänomen der working poor aus den USA auch Deutschland, also Menschen, die trotz Arbeit von Armut betroffen sind. Seit einigen Jahren gibt es auch immer mehr working homeless. Dazu zählen Menschen, die trotz eines geregelten Einkommens und fester Anstellung keine Wohnung finden. Während einer Wohnungslosigkeit früher meistens eine Reihe von Krisen und Notlagen vorausging, reicht heute oft ein einziger unvorhergesehener Vorfall. Eine Eigenbedarfskündigung zählt mittlerweile zu den häufigsten Auslösern von Wohnungslosigkeit.
In Deutschland waren 2024 mehr als eine Million Menschen wohnungslos. 13 Prozent derer, die sich an Beratungsstellen der Wohnungsnotfallhilfen wenden, haben jedoch einen Job. Der stellvertretende Leiter eines Heimes in Bonn sagt, den meisten Menschen sei nicht klar, wie weit das Problem in die Gesellschaft hineinrage, das Ausmaß der Wohnungslosigkeit werde „brutal unterschätzt“. Laut der Bundesregierung soll es Menschen ohne Wohnung bis spätestens 2030 nicht mehr geben, so sieht es der „Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit“ vor. Die Zahlen steigen jedoch weiter an.