Rechtsextremismus

Wenn Ignorieren nicht mehr reicht

Quelle: Die Zeit
Wenn Ignorieren nicht mehr reicht
Bildquelle: unsplash Jon Tyson

Bei der Oberbürgermeister-Stichwahl in Aue-Bad Schlema hat CDU-Kandidat Marcus Hoffmann am Sonntag knapp gegen Stefan Hartung von den rechtsextremen Freien Sachsen gewonnen. Hoffmann erreichte 52,7 Prozent, Hartung kam auf 47,3 Prozent. Der Ausgang der Wahl gilt als deutliches Warnsignal, weil ein offen rechtsextremer Kandidat fast die Hälfte der Stimmen erhielt. Hartung ist stellvertretender Vorsitzender der Freien Sachsen, war früher in der NPD aktiv und sitzt seit Jahren in kommunalen Gremien. Die Partei wird als Sammelbecken für Rechtsextreme, Monarchisten und Reichsbürger beschrieben und fordert unter anderem den Austritt Sachsens aus der Bundesrepublik. Hartung besitzt vor Ort eine starke Präsenz und inszeniert sich als bekannter Kommunalpolitiker. Demokratische Parteien, auch insbesondere die CDU, ignorierten ihn jedoch lange oder übernahmen seine Themen teilweise selbst. Das Wahlergebnis zeigt deshalb auch eine gefährliche Normalisierung rechtsextremer Politik, die nicht nur Aue-Bad Schlema betrifft.